Xiaomi – “Chinesische Apple” feuert aus allen Rohren

Xiaomi dürfte den meisten hiesigen Lesern durch die Smartphone-Modelle Mi und RedMi bekannt sein, die durch ein besonders gutes Chance-Risiko-Verhältnis überzeugen.

Das erst 2010 gegründete Unternehmen hat sich längst das Prädikat “Apple of China” erarbeitet.

xiamo chartverlauf innerhalb eines Jahres

Bemerkenswert ist dabei, in welcher Geschwindigkeit das Unternehmen neue Produkte auf den Markt bringt.

Vergangenen Mittwoch hat das Unternehmen bei einer Präsentation seinem vorhandenen Ökosystem gleich neun neue Produkte zu unfassbar kompetitiven Preisen hinzugefügt.

Die Show wirkte dabei stark an Apple angelehnt, was man gut finden kann oder auch nicht.

Experten beeindrucken dabei die quantitativen Zahlen, also die Leistungsdaten der Geräte.

Spannend wird sein wie die endgültige Qualität ausfällt und ob die tiefen Preise langfristig haltbar sind.

Ein gewisses Risiko ergibt sich durch die breite Palette an Produkten über fast alle Lebensbereiche hinweg.

Da muss es zunächst einmal gelingen, diese einigermaßen homogen und unter einer Marke zu produzieren und zu vermarkten.

Befürchtet wird also ein gewisses “Klumpenrisiko” im Hinblick auf die Dachmarke. Auch die App-Problematik ist weiter gegeben.

Viele Xiaomi-Smartphone-Besitzer außerhalb Chinas (ich auch) benutzen weiter Google Play als App-Store und nicht den eigenen Mi-Store.

Das zerstört ein Teil des Geschäftsmodells, weil Xiaomi so im internationalen App-Geschäft wertvolle Einnahmen entgehen.

Denn:

Xiaomi sieht sich ja selber nicht primär als Hardware-Hersteller, wo man ja gezielt bei den Margen unter 5 % und damit der Preisführer bleiben möchte.

Damit ist natürlich nicht viel verdient.

Wenn nun auch im Internet-Services-Bereich die Internationalisierung des Geschäfts durch die beschriebene Google-Thematik behindert wird:

Wie kann dann Xiaomi überhaupt noch interessant sein?

Nun, vor allem über die Themenbereiche Smart Home bzw. cross-funktionale Vernetzung (Internet of Things).

Das heißt, dadurch dass Xiaomi so viele verschiedene Geräte im Programm hat, bietet es sich für den Kunden an, auch seine Daten in der Xiaomi-Cloud zu hinterlegen und diese quasi als Schaltzentrale zu verwenden.

Wichtige Bereiche, in denen neue Produkte massiv vorangetrieben werden, sind dabei

  • E-Mobility,
  • Wearables
  • und auch E-Health.

Die Daten lassen sich auch mit Apps anderer Hersteller koppeln, wenn die Daten mal auf den Xiaomi-Plattformen liegen.

Nach Deutschland kommt im Jahr 2020 u.a. auch

  • der neue E-Scooter (mit eigener deutscher Version, die nur 20km/h fährt),
  • der neue Fitness-Tracker MiBand 5,
  • ein Mi TV Stick,
  • kabellose Kopfhörer
  • und ein 34 Zoll-Gaming Monitor.

Morgan Stanley hat unterdessen heute das Kursziel für Xiaomi von 14 auf 18 Hongkong-Dollar (HKD) angehoben.

Aktuell notiert die Aktie bei 15,82 HKD.

Im zweiten Quartal dürften die Umsätze um 7% zurückgehen auf 48,2 Mrd. CNY und der Nettogewinn gar um 28% auf 2,6 Mrd. CNY, was aber COVID-19 bedingt ist.

Xiaomi dürfte aber auch vom boomenden Gaming-Bereich profitieren. Aussichtsreich bleibt auch der relativ neue Bereich Xiaomi Finance, wo sich ebenfalls höhere Margen als im Gaming-Bereich erzielen lassen.