Wieso ist die Privathaftpflichtversicherung einer der wichtigsten Bausteine in der Absicherung für Privatpersonen?

Hierzu zwei Alltags-Fallbeispiele:

  1. Hans Eckert ist Mieter eines Einfamilienhauses und verpflichtet, den Gehweg vor dem Haus zu räumen und zu streuen. Vor einer Woche versäumte er dies. Der Postzusteller rutschte aus und brach sich einen Arm. Ist Herr Eckert schadensersatzpflichtig und würde eine Privathaftpflichtversicherung den entstandenen Schaden regulieren? 
  2. Jan Köhler zieht aus seiner langjährigen Mietwohnung aus. Der darin verlegte Teppichboden ist durch die lange Mietzeit stark abgenutzt. Außerdem werden beim Auszug der Glaseinsatz der Wohnungseingangstür und der Haustürrahmen beschädigt. Auch hier stellt sich die Frage, ob Herr Köhler schadensersatzpflichtig ist und wenn ja, für welche Schäden und welche dieser Schäden ggf. über eine Privathaftpflichtversicherung bezahlt würden.

Solche oder ähnliche Situation beschreiben die Risiken des täglichen Lebens. Immer wieder können Menschen unerwartet in Situationen geraten, die zu erheblichen Schadensersatzforderungen gegen sie führen würden (z. B. Verlust eines Dienstschlüssels usw.).

Die Privathaftpflichtversicherung versichert die Menschen gegen diese Risiken des alltäglichen Lebens und ist damit eine der wichtigsten Versicherungen für den privaten Haushalt. Allerdings gibt es auch Ausschlüsse. Das heißt, nicht jeder Fall ist versichert, obwohl der Verursacher haftet.

01. Haftungsgrundsätze

Grundsätzlich reden wir zunächst von der sogenannten Verschuldenshaftung. Voraussetzung ist also ein Verschulden. Dann besteht grundsätzlich eine Verpflichtung zum Schadenersatz im vollen Umfang und in unbegrenzter Höhe. 

Privathaftplfichtversicherung min

Hätte ein Schaden nicht abgewendet werden können, liegt auch von keiner Seite ein Verschulden vor. Dies ist bei höherer Gewalt der Fall. Hätte ein Schaden abgewendet werden können, so liegt stets ein Verschulden vor  und hat demnach auch einen Verursacher (z. B. unterlassene Hilfeleistung oder Verletzung der Sorgfaltspflicht).

Grundsätzlich unterscheidet das BGB zwei Haftungsarten:
  1. Verschuldenshaftung § 823 BGB
  2. Gefährdungshaftung nach § 833 BGB

Minderjährige haften nur eingeschränkt (siehe nachfolgende Tabelle). Allerdings kann es zur Haftung der Aufsichtsperson kommen.

In § 832 BGB ist geregelt, dass eine Person, die die Aufsicht über Minderjährige oder wegen des geistigen oder körperlichen Zustands aufsichtsbedürftige Personen hat, für deren Schäden haftet, wenn sie diese Aufsichtspflicht verletzt.

Das BGB unterscheidet in unterschiedlichen Vorschriften diese Haftungsstufen. Man spricht auch von der Deliktsfähigkeit:

Privathaftpflichtversicherung - Die Deliktsfähigkeit bei Kindern

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02. Leistungsumfang

Haftung/Deckung

Haftung:  Laut dem §823 BGB gilt sinngemäß:

Wer anderen einen Schaden zufügt, muss dafür geradestehen – im Extremfall mit seinem aktuellen und zukünftigen Einkommen sowie mit seinem gesamten Vermögen in unbegrenzter Höhe.  

Deckung: Die Privathaftpflichtversicherung übernimmt die Deckung bei Personen-, Sach- und Vermögensschäden nur bis zu einer gewissen Höhe. Bis zu dieser Summe ist der Kunde von der Haftung freigestellt.

Aufgaben der Privathaftpflichtversicherung

Die PHV hat grundsätzlich 3 Aufgaben:

  1. Prüfungsfunktion:  Prüfung der Frage, ob der Haftpflichtanspruch berechtigt ist
  2. Befreiungsfunktion: Regulierung berechtigter Schadensansprüche
  3. Rechtsschutzfunktion: Abwehr unberechtigter Ansprüche, bei unklarer Rechtslage ggf. auf dem Gerichtsweg

Die Privathaftpflichtversicherung reguliert Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Personenschäden sind solche Schäden, die einer dritten Person zugefügt wurden.

Bei Sachschäden wurden Dinge beschädigt, zerstört oder kommen abhanden. Vermögensschäden sind Schäden, die weder durch Personen- noch durch Sachschäden entstanden sind. 

Beispiel:

Der Kunde schließt versehentlich einen Handwerker im Keller des Mehrfamilienhauses ein, in dem er lebt. Dadurch kann dieser mehrere Folgetermine nicht wahrnehmen.

Versichertes Risiko

Nach Umfang der Bestimmungen der Versicherungsbedingungen ist die Haftung des Versicherungsnehmers und die seiner Angehörigen für die Gefahren des täglichen Lebens als Privatperson weltweit versichert.

Bei Aufenthalten außerhalb der EU-Staaten sowie der Länder Norwegen, Schweiz, Island, Andorra, San Marino, Liechtenstein und Monaco ist der Versicherungsschutz auf maximal 2 Jahre begrenzt. Außerdem kann eine Privathaftpflichtversicherung spezielle Risiken, wie Hunde- und Pferdehalter, Haus- und Grundbesitzer, Bauherren und Inhaber von gewässergefährdenden Öltanks (z. B. Heizöl) absichern. 

03. Versicherungssumme

Die Entschädigungsleistung des Versicherers ist bei jedem Versicherungsfall auf die vereinbarten Versicherungssummen begrenzt.

Dies gilt auch dann, wenn sich der Versicherungsschutz auf mehrere entschädigungspflichtige Personen erstreckt. Bei uns beträgt die Versicherungssumme je nach gewähltem Tarif für Personen-, Sach- und Vermögensschäden 50.000.000 EUR.

Diese Entschädigungsleistungen sind – falls nicht anders vereinbart – auf das Zweifache der vereinbarten Versicherungssumme für alle Fälle eines Versicherungsjahres begrenzt.

Falls vereinbart beteiligt sich der Versicherungsnehmer bei jedem Versicherungsfall durch eine sogenannte Selbstbeteiligung an der Entschädigungsleistung des Versicherers.

04. Tarifaufbau

Bei der Beitragskalkulation werden unter anderem folgende Aspekte berücksichtigt:

  • Familienstand des Versicherungsnehmers (Single, Partnerschaft, Familie)
  • Selbstbeteiligung (Einschluss und Höhe)
  • Eingeschlossene Zusatzleistungen
  • Höhe der Versicherungssumme
  • Zahlweise (jährlich, monatlich etc.)

05. Versicherungsfall

Im Schadensfall ist der Versicherungsnehmer verpflichtet gesetzliche und vertragliche Obliegenheiten zu erfüllen. Dazu gehören: 

  • Schadenanzeigepflicht
    • Jeder Schaden, der zu einer Leistung des Versicherers führen kann, muss diesem innerhalb von einer Woche angezeigt werden.
  • Schadenauskunftspflicht
    • Der Versicherungsnehmer hat dem Versicherer ausführliche und wahrheitsgemäße Schadenberichte zu erstatten und ihn bei der Schadenermittlung und -regulierung zu unterstützen.
  • Schadenminderungspflicht und -abwendungspflicht
    • Der Versicherungsnehmer ist verpflichtet, bei Eintritt des Schadenereignisses nach Möglichkeit für die Abwendung und Minderung des Schadens zu sorgen.

06. Forderungsausfallrisiko

Wenn der Versicherungsnehmer oder eine mitversicherte Person einen Schaden durch eine dritte Person erleiden und diese dritte Person weder der Schadensersatzverpflichtungen vollständig nachkommen noch eine eigene Privathaftpflichtversicherung in Anspruch nehmen kann, leistet die PHV des Geschädigten.

Voraussetzung ist, dass die juristische Durchsetzung der Forderungen gegen den Dritten gescheitert ist. 

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06. Beitragsanpassung

  • Zum 01.07. eines jeden Jahres überprüft ein Treuhänder das Verhältnis von prozentualer Veränderung der getätigten Schadenzahlungen aller allgemeinen Haftpflichtversicherer des vergangenen zu denen des vorvergangenen Kalenderjahres. Dieser Prozentsatz wird auf die nächst niedrigere, durch 5 teilbare Zahl abgerundet. (z. B. 17 % Veränderung wird auf 15 % abgerundet)
  • Liegt die Veränderung unter 5 %, gibt es keine Prämienangleichung. Nicht prämienrelevante Werte fallen allerdings nicht einfach unter den Tisch, sondern werden auf die Berechnungen der Folgejahre vorgetragen.
  • Bei einer Erhöhung des Prozentsatzes kann der Versicherer den Beitrag entsprechend anpassen und bei einer Verminderung ist er verpflichtet zu reduzieren.
  • Des Weiteren wird auch der Durchschnitt der Schadenzahlungen der letzten 5 Jahre berücksichtigt. Dies wirkt sich auf ebenfalls auf eine mögliche Beitragserhöhung des Versicherers aus.
  • Da eine Beitragsveränderung keinen Einfluss auf den Umfang der Versicherungsleistung hat, besteht für den Kunden einen Monat lang ein Sonderkündigungsrecht

07. Steuerliche Behandlung der Beiträge

Bei­träge zu Haft­pflicht­versiche­rungen können im Rahmen der sonstigen Vorsorgeaufwendungen als Sonderausgaben in der Einkommenssteuererklärung angegeben werden. Allerdings sind diese auf 1.900 EUR (Arbeitnehmer und Rentner) bzw. 2.800 EUR (Selbstständige) begrenzt und nur insoweit absetzbar, wie die Höchstbeträge nicht schon durch Beiträge in die Kranken und Pflegeversicherung ausgeschöpft sind.

Sie beinhalten neben den Beiträgen zur Privathaftpflichtversicherung auch die zur Absicherung von Arbeitslosigkeit, Erwerbs- und Berufsunfähigkeit sowie Beiträge zu Unfall- und Risikolebensversicherungen und ggf. auch Beiträge zu Lebens- und Rentenversicherungen, wenn diese vor 2005 abgeschlossen wurden. 

Die Beiträge enthalten jeweils 19% Versicherungssteuer.

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