NVIDIA Aktie – ARM-Übernahme als genialer Schachzug?

Chip-Krösus NVIDIA, ohnehin schon einer der Shooting-Stars der letzten Jahre, der längst aus der einstigen Nische Graphikchips für PCs herausgewachsen ist, sorgt nun mit dem spektakulären Kauf von Smartphone-ChipSpezialist ARM Holdings für Furore.

40 Milliarden $ ist NVIDIA bereit dafür an die japanische Softbank zu überweisen. Die Folgen für den gesamten Chipsektor könnten erdrutschartig sein – wenn der Deal denn durchgeht.

Edge Computing könnte Cloud Computing als den nächsten Megatrend im IT-Bereich ablösen.

Edge Computing

Unter Edge Computing versteht man eine offene, verteilte IT Architektur, bei der Anwendungen, Daten und Dienste nicht an zentralen Punkten wie etwa Rechenzentren zusammenlaufen.

Stattdessen werden diese an den Rand (englisch „Edge“) des Netzwerks ausgelagert, also auf Endgeräte oder lokale Server.

Ziel dieser Architektur ist es, Datenströme zu minimieren. Das reduziert durch den geringeren Datenverkehr einerseits die Kosten, und ermöglicht andererseits eine Datenbereitstellung und -verarbeitung in Echtzeit (niedrige Latenz).

Besonders wichtig ist das vor allem bei Internet of Things (IoT)-Anwendungen, beispielsweise bei Industrierobotern oder Fahrzeugen, die über eine künstliche Intelligenz gesteuert werden.

Auch die maschinelle Qualitätssicherung in Echtzeit oder die automatisierte Wartung sind sehr viel versprechende Anwendungsbereiche mit einem enorm großen adressierbaren Markt.

NVIDIA ist hier einmalig gut positioniert und die nun gemeldete Übernahme von ARM Holdings garantiert dem Unternehmen praktisch die Marktdominanz in diesem Bereich.

Seit rund 10 Jahren hat NVIDIA seine GPU Architektur, die ursprünglich als Graphikbeschleuniger für 3D-Spiele konzipiert war, in eine Art “Alleskönner”- Recheneinheit umgewandelt.

Nvidia-Aktienkurs

Unterstützt wurde NVIDIA dabei vom Auftragsproduzenten TSMC (Taiwan Semiconductor). TSMC konnte sich auf Grund des viel höheren Volumens an verkauften Chips im Smartphone-Markt einen Wettbewerbsvorteil u.a. gegenüber dem bisherigen Platzhirsch Intel sichern.

Letztere liegen nun bei der neuen 7nm Fertigungstechnologie bereits über ein Jahr hinter ihrem Zeitplan zurück.

TSMC dagegen hat bereits über eine Milliarde Chips auf Basis der 7nm-Technologie ausgeliefert und testet bereits 3nm.

NVIDIA, AMD und andere Intel-Konkurrenten lassen ihre Chips bei TSMC produzieren und haben sich so einen großen Wettbewerbsvorteil verschafft.

Dank der CUDA-Software-Plattform von NVIDIA können Programmierer nun die parallele Architektur der NVIDIA-GPUs für eine Vielzahl von Aufgaben nutzen. Der Bereich Künstliche Intelligenz wurde von einer wissensbasierten zu einer datenbasierten Disziplin.

Wenn wir z.B. “Alexa” oder “Hey Siri” sagen, wird die Spracherkennung von einem Parallelverarbeitungssoftware-Algorithmus verarbeitet und interpretiert, der höchstwahrscheinlich von einer Nvidia-GPU unterstützt wird.

Fast die Hälfte der Umsätze erzielt NVIDIA inzwischen mit großen Datencentern.

Das Problem für NVIDIA bisher:

Die Zentralrechner-Architektur in Rechenzentren ist immer noch x86, egal ob von Intel oder AMD.

Mit dem Kauf von ARM, deren Marktanteil bei Server-Chips noch gering ist, aber mit stark steigender Tendenz, könnte NVIDIA nun ein eigenes Hardware-Software-Ökosystem um ARM herum kreieren, wenn es gelingt, die ARM Recheneinheiten mit den NVIDIA-Beschleunigern kompatibel zu machen.

Das wäre eine ernsthafte Bedrohung für Intel, weil es NVIDIA eine vollkommene Marktdominanz bringen könnte. Und zwar in einem Edge Computing-Markt, der mindestens 10mal größer werden wird als der heutige Markt für Mobiltelefone oder Cloud-Computing.

Fazit NVIDIA Aktie

Die Übernahme von ARM könnte NVIDIA zum alles dominierenden Player im gigantischen Edge-Computing-Markt der Zukunft machen.