Was sind ETFs? – Vor- und Nachteile von ETFs

01. Einführung – Was sind ETFs?

Exchange Traded Funds (ETFs) sind börsengehandelte Investmentfonds.

Ein ETF bündelt ein Portfolio aus Wertpapieren (z. B. Aktien, Anleihen usw.) und bildet seine Wertentwicklung ab.

Meistens handelt es sich dabei um breite Marktindizes wie den S&P 500. Aber es gibt auch spezialisierte ETFs, zum Beispiel auf Unternehmen einer bestimmten Branche oder mit einer speziellen Eigenschaft (Smart Beta).

ETF-Anteile verbriefen einen anteiligen Besitz am Sondervermögen eines Fonds.

Die Anteile an diesem Vermögen werden gehandelt, wobei das Fondsvermögen unberührt bleibt.

Es ändert sich nur, wenn neue Anteilsscheine emittiert oder Anteile zurückgekauft werden.

Im Normalfall werden diese Anteile im Sekundärmarkt erworben und nicht direkt vom Emittenten wie bei anderen Investmentfonds.

Konkret werden die Anteile von Market Makern ge- und verkauft, die über große Bestände verfügen. Ein Market Maker verpflichtet sich, für etwaige Finanzinstrumente Kaufs- und Verkaufskurse zu stellen, zu denen er bereit ist, zu handeln.

Damit soll gewährleistet werden, dass der Handel jederzeit stattfinden kann.

ETFs lassen sich

  • nach Anlageklassen,
  • nach den nachgebildeten Indizes und
  • nach der Art der Indexnachbildung unterscheiden.

Es kann also durchaus vorkommen, dass ein Unternehmen in verschiedenen ETFs mit unterschiedlichen Strategien und von unterschiedlichen Anbietern gehandelt wird.

Zum Beispiel ist die Deutsche Bank in ETFs vertreten, die den DAX und andere Indizes (z. B. EURO STOXX) oder nur europäische Finanzdienstleister abbilden.

Darüber hinaus unterscheidet man noch zwischen thesaurierenden ETFs, die die Erträge (Dividenden, Zinsen) reinvestieren, und ausschüttenden ETFs, die die Erträge auszahlen.

Die Auswahl an ETFs ist groß und sie sind sehr vielseitig. Dabei sind sie nicht nur auf die Abbildung von gängigen Indizes beschränkt.

Ebenso existieren Strategie-ETFs, die sehr spezialisierte Indizes nachempfinden.

Dazu gehören Indizes, die bestimmte Handelsstrategien wie Short- oder Optionsstrategien spiegeln.

Darüber hinaus gibt es ETFs, die einen Index darstellen, der regelbasiert nach Fundamentaldaten – wie zum Beispiel der Dividendenrendite (z. B.: DivDAX) – zusammengesetzt ist (auch Factor Investing genannt).

Sie werden auch verlockend als Smart Beta ETFs angeboten.

Bei der Zusammensetzung nach fundamentalen Kriterien wird versucht, anhand von Kennzahlen bestimmte Substanz- oder Wachstumswerte herauszupicken. Bei diesen besonderen ETFs ist es häufig nötig, dass der Emittent zuerst einen entsprechenden Index entwickelt.

ETFs haben erst kürzlich sehr an Beliebtheit gewonnen, obwohl sie bereits seit den 1970er-Jahren existieren.

ETFs gehen auf eine Innovation im Jahr 1976 zurück, die von Vanguard Gründer John Bogle eingeführt wurde. Er schuf den ersten Indexfonds für Privatanleger auf den S&P 500.

Doch die Erfolgsstory begann erst Jahre später, denn zunächst ist Bogle auf großen Widerstand gestoßen.

Im Jahr 2019 betrug das weltweite Anlagevermögen circa 6,18 Billionen USD. Damit hat sich das Volumen seit 2005 mehr als verfünfzehnfacht (siehe Grafik 1).

Oft werden ETFs in Verbindung mit passiven Investitionsstrategien und „Buy and Hold“ genannt, die für Anleger (in der Theorie) einfach umzusetzen sind.

Denn mit ETFs kann man unkompliziert und mit einer transparenten Preisbildung in einen ganzen Index investieren. Die größten ETF-Anbieter sind BlackRock und Vanguard.

Zusammen verwalten sie ein Anlagevermögen (aktiv und passiv) von fast 12 Billionen USD.

ETF Entwicklung 2005 bis 2019 in Milliarden USD.

1.1. Unterschiede zu Investmentfonds

Üblicherweise handelt es sich bei ETFs um passive Investmentfonds.

Im Unterschied zu traditionellen Investmentfonds, gibt es bei ETFs in der Regel keinen aktiven Fondsmanager, der das Fondsvermögen verwaltet.

Hier wird zudem der grundlegende Unterschied zwischen ETFs und aktiv gemanagten Investmentfonds deutlich.

ETFs sollen den zugrunde liegenden Index laufend möglichst akkurat abbilden, während ein herkömmlicher Investmentfonds seinen Anlagegrundsätzen folgt und versucht, bei vorgegebenem Risiko die größtmögliche Rendite zu erzielen.

Zwar werden auch aktiv gemanagte ETFs angeboten, jedoch ist deren Marktanteil gering.

Hier gibt es einen aktiven Verwalter, der beispielsweise die Sektorgewichtung der Wertpapiere ändern kann oder Wertpapiere nach bestimmten Kriterien auswählt.

Dadurch wird die zugrunde liegende Benchmark nicht perfekt abgebildet.

Ein weiterer Unterschied:

Bei Investmentfonds wird der Nettoinventarwert (Net Asset Value, NAV) einmal täglich veröffentlicht, während bei ETFs im Verlauf eines Handelstages fortlaufend indikative Nettoinventarwert vom Emittenten ermittelt und angegeben werden.

Daraus folgt, dass ETFs während eines Handelstages beliebig oft gehandelt werden können.

Ein weiterer wichtiger Unterschied:

ETFs sind im Vergleich deutlich günstiger als klassische Fonds.

02. Anlagestrategie mit ETFs

Anlagestrategien mit ETFs

ETFs sind beliebte Produkte, um kostengünstig eine Buy-and-Hold-Strategie zu verfolgen.

Dabei kauft man einen ETF auf einen marktbreiten Index und hält ihn über einen sehr langen Zeitraum. Große Verfechter dieser Strategie sind unter anderem Warren Buffett und John Bogle, die diese Vorgehensweise vor allem für Anfänger mit wenig Zeit empfehlen.

Für den Privatanleger kann eine Buy-and-Hold-Strategie sinnvoll sein.

Sie ist einfach umzusetzen und erspart Kosten und Zeit, wie wir im weiteren Verlauf feststellen werden.

Thesaurierende ETFs eignen sich aufgrund des Zinseszinseffektes für einen langfristigen Vermögensaufbau.

Hingegen eignen sich ausschüttende ETFs für Investoren, die ein zusätzliches verfügbares Einkommen präferieren.

Des Weiteren lässt sich mithilfe von ETFs einfach auf weitreichende ökonomische und volkswirtschaftliche Trends setzen, die ganze Branchen und sogar Länder nachhaltig verändern werden.

Auch wenn die Timing-Frage bei langfristigen Strategien eher eine untergeordnete Rolle spielt, kann der Einstiegszeitpunkt für den Anlageerfolg entscheidend sein.

Sie sollten vermeiden, bei einer allgemeinen Börseneuphorie und bei Allzeit-Höchstständen zu investieren.

Denn hier ist das Chance-Risiko-Verhältnis für den Privatanleger unvorteilhaft.

Das Wichtigste ist jedoch, dass Sie als Anleger bei jeder Marktlage die Nerven behalten und nicht zu aktiv investieren, sprich eine zu kurze Haltedauer der Investments umsetzen. Denn häufiges (unnötiges) Handeln erhöht die Kosten und die Wahrscheinlichkeit, gute Marktphasen zu verpassen.

Andererseits gibt es viele ETFs mit Besonderheiten, die fortgeschrittene Investoren sinnvoll in ihrem Portfolio einsetzen können.

Eine Variante sind zum Beispiel inverse beziehungsweise Short-ETFs.

Dabei profitiert der Anleger von fallenden Kursen, da der Indexmultiplikator negativ, meist –1 ist (ein größerer Hebel ist auch möglich).

Das heißt für Sie:

Wenn der Index fällt, gewinnt Ihr Short-ETF an Wert. Solche Short-ETFs können als Portfolioabsicherung verwendet werden. Damit können auch Privatanleger mit geringem Anlagevermögen auf einfache Art und Weise eine Short-Strategie in ihrem Portfolio umsetzen.

03. Kosten

ETFs-Kosten

Wie bei Investmentfonds fallen auch bei ETFs Managementgebühren an.

Sie sind jedoch deutlich geringer und betragen bei ETFs auf Indizes meistens zwischen 0,1 und 1 %, da kein aktives Management der Positionen stattfindet.

Jedoch steigen die Gebühren mit dem Spezialisierungsgrad der ETFs und der Notwendigkeit aktiv einzugreifen.

Hinzu kommen Depot- und Transaktionskosten sowie andere börsenübliche Kosten (zum Beispiel der Spread).

Ein weiterer Grund, warum ETFs billiger als Investmentfonds sind, liegt darin, dass Risiken und Kosten bei Erwerb und Verkauf der Vermögenswerte an den Market Maker übertragen werden.

Der rege Wettbewerb unter den Market Makern (an der Deutschen Börse sind 14 Parteien dazu berechtigt) sorgt zusätzlich dafür, dass der Spread (die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs) niedrig ist.

Viele Anleger vernachlässigen den Spread zwar, dennoch spielt er bei der Performance eine Rolle und sollte als Kostenfaktor berücksichtigt werden.

Je geringer der Spread, desto geringer die Kosten beim Auflösen der Position und desto besser für Sie.

Bei ETFs auf breite Indizes (z. B. S&P 500, EURO STOXX usw.) sind maximal drei Prozent akzeptabel. Das heißt, dass der Unterschied beim Preis von einem Euro maximal drei Cent betragen darf.

Was viele nicht wissen:

Der Spread eines ETFs ist während der Handelszeiten des jeweiligen Index am geringsten, daher sollten auch Sie zu dieser Zeit handeln. Zum Beispiel ist es ratsam, einen ETF auf den Dow Jones nach 15:30 Uhr zu handeln, wenn die US-Börsen geöffnet haben.

04. Art der Abbildung eines Index (Replikation)

Was sind ETFs

Zur Replikation können unterschiedliche Methoden angewendet werden. Per se kann man nicht sagen, welche Art der Abbildung die bessere ist.

Full-Replication Methode

Bei der Full-Replication-Methode wird der Index vollständig nachgebildet.

Dabei werden die Bestandteile des Index in der entsprechenden Gewichtung im Sondervermögen des Fonds gehalten.

Das heißt, die Titel werden real gekauft. Bei dieser Methode kann nur eine geringe Tracking-Differenz (siehe Kriterien und Kennzahlen) entstehen. Das heißt, dass die Wertentwicklung sehr gut abgebildet wird.

Bei einer sehr großen Anzahl an Einzelwerten, wie beim S&P 500 kann das jedoch nicht mehr garantiert werden.

Zwar ist bei einem großen verwalteten Vermögen eine geringe Abweichung von der Benchmark denkbar. Aber für den Anleger und Emittenten besteht ein Trade-off zwischen Kostenaspekt und Genauigkeit der Replikation.

Denn die Transaktionskosten steigen mit der Vielzahl an Einzelwerten an.

Sampling Methode

Bei der Sampling-Methode wird nur ein Teil der Einzelwerte ins Sondervermögen gekauft.

Auch hier werden die Werte real erworben, jedoch werden nur die Papiere mit dem höchsten Wert und der größten Liquidität aufgenommen.

Das heißt, dass illiquide und gering gewichtete Werte unberücksichtigt bleiben. Damit wird zwar die Replikation von sehr großen Indizes wie dem S&P 500 möglich und effizienter, aber der Tracking Error ist bei dieser Replikationsmethode grundsätzlich größer.

Bei den beiden hier genannten physischen Abbildungsverfahren gibt es eine Besonderheit:

Das Fondsmanagement kann zusätzliche Einnahmen erzielen, indem es die Wertpapiere innerhalb des Sondervermögens an andere Markteilnehmer verleiht (z. B. an Leerverkäufer). Im Gegenzug erhält es eine Leihgebühr, die das Fondseinkommen erhöht.

Synthetische Nachbildung

Bei einer synthetischen Nachbildung werden nicht die Einzelwerte erworben, sondern Swapgeschäfte eingegangen.

Ein Swap ist ein Termingeschäft und vereinbart den Austausch von Zahlungsströmen zwischen zwei Parteien.

In unserem Fall handelt es sich um ein Tauschgeschäft zwischen einer Bank und einem ETF-Anbieter.

Demnach befinden sich die Einzelwerte nicht im Vermögen des Fonds.

Der synthetische Ansatz ermöglicht eine Investition in illiquide oder nicht frei handelbare Werte.

Beispielweise lassen sich Rohstoffindizes oft nur mithilfe von Swaps abbilden. Denn die Kosten für die Lagerung des Rohstoffs wären unverhältnismäßig hoch, sodass wahrscheinlich kein ETF zustande käme.

05. Wichtige Kriterien & Kennzahlen

ETFs wichtige Kennzahlen

Der ETF-Markt ist in der Vergangenheit sehr stark gewachsen, und das wird sich in näherer Zukunft voraussichtlich auch nicht ändern.

Dabei kennt auch die Vielfalt der Produkte keine Grenzen.

Damit Sie stets die geeignetsten und besten Produkte für Ihrer Bedürfnisse auswählen, werden wir Ihnen nachfolgend wichtige Kriterien und Kennzahlen vorstellen, die Sie bei der Auswahl unbedingt berücksichtigen sollten.

5.1. Anlageuniversum

Bevor Sie sich entscheiden, einen ETF zu kaufen, sollten Sie sich im Klaren sein, welchen Index, welche Branche oder welche Aktienwerte Sie erwerben möchten.

Darauf aufbauend erwerben Sie den gewünschten ETF gemäß Ihrer eigenen Anlagestrategie und nicht umgekehrt (Strategie an ETF anpassen).

Oftmals ist den Käufern gar nicht bewusst, welche Unternehmen sie durch den ETF in ihr Depot aufnehmen.

Denn es kann vorkommen, dass die Aktien nicht zwingend mit dem Namen des ETFs übereinstimmen. Der ETF sollte also genau die Werte enthalten, die Sie auch tatsächlich kaufen möchten.

Außerdem spielt die Gewichtung der Werte eine wichtige Rolle, denn sie kann je nach ETF bzw. zugrunde liegendem Index variieren (außer Sie kaufen einen gleichgewichteten ETF).

Beispielsweise waren Finanzdienstleister im MSCI World Index übergewichtet, während heute die USA übergewichtet ist.

Die Indexgewichtung hängt von der Preisentwicklung der Vermögenswerte ab.

Werte, die im Wert stark gestiegen sind, werden im Index tendenziell übergewichtet. Nicht bei jeder Replikationsmethode wird der Index eins zu eins abgebildet (siehe Art der Abbildung).

Oftmals weichen die Gewichtungen von der tatsächlichen Indexgewichtung ab.

5.2. Volumen und Größe

Ein wichtiges Kriterium ist das Handelsvolumen.

Dabei gilt:

je größer das Handelsvolumen, desto besser für Sie als Anleger.

Ein hohes Volumen soll dafür sorgen, dass immer ein Handel zustande kommen kann. Besonders in Bärenmärkten spielt diese Kennzahl eine wichtige Rolle.

Denn in diesen Marktphasen werden Papiere überdurchschnittlich oft angeboten und unterdurchschnittlich nachgefragt.

Das heißt, dass Käufer und Verkäufer nicht zusammenfinden.

Ein hohes Handelsvolumen kann zwar in einer solchen Situation nicht den Handel garantieren. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit höher als bei weniger liquiden Papieren.

Hinzu kommt, dass ein hohes Handelsvolumen den Spread reduziert und somit auch die Kosten des Handels.

Außerdem sind ETFs mit einem großen Fondsvermögen tendenziell zu bevorzugen.

Dadurch reduziert sich die Gefahr, dass der Fonds geschlossen wird. Das hat in der Regel zwar keine signifikanten Folgen für den Anleger, jedoch werden Kosten bei der Wiederanlage erspart.

5.3. Nettoinventarvermögen

Das Nettoinventarvermögen (engl. Net Asset Value, NAV) gibt den Wert des Portfolios zu einem bestimmten Zeitpunkt an, also den Preis bei vollständiger Liquidation des Portfolios.

Es berechnet sich, indem man die Differenz bildet aus den gesamten Vermögenswerten und den Verbindlichkeiten.

Dividiert man diese Zahl durch die Anzahl der Fondsanteile, die sich im Umlauf befinden, erhält man den NAV. Der NAV wird einmal täglich veröffentlicht.

Dazu gibt es noch den indikativen NAV (iNAV), der fortlaufend ermittelt und veröffentlicht wird. Market Maker benutzen den indikativen NAV, um Geld- und Briefkurse zu stellen und so den Markt mit Liquidität zu versorgen.

5.4. Tracking Error

Der Tracking Error gibt die Standardabweichung der Renditedifferenzen zwischen ETF und Benchmark/ Index an.

Die Standardabweichung misst die durchschnittliche Differenz, in diesem Fall die Renditedifferenz zwischen Index und ETF.

Sie misst also, inwiefern die Performance des ETFs von der Performance des Index abweicht.

Ein geringer Tracking Error bedeutet, dass sich der ETF ähnlich wie die Benchmark bewegt, ein hoher Wert, dass sich die Entwicklung des ETF vom Index unterscheidet.

Das kann unterschiedliche Gründe haben.

Zum Beispiel können Unterschiede in den Gewichtungen der Positionen oder zusätzliche Einnahmen durch Leihgeschäfte die Differenz erklären.

Diese Frage muss im Einzelfall geklärt werden.

Vorsicht:

Es gilt zu beachten, dass die Kennzahl im Zeitverlauf schwankt.

Deshalb sollte man immer einen langfristigen Zeitraum von mehreren Jahren, aber mindestens ein Jahr betrachten.

Des Weiteren bedeutet ein geringer Tracking Error nicht zwingend eine geringe Abweichung, denn es wird die durchschnittliche Abweichung gemessen. Der Durchschnitt kann durch besonders niedrige Ausreißer im Datensatz verzerrt werden.

5.5. Tracking Differenz

Die Tracking-Differenz ergibt sich aus der Gesamtrendite eines ETFs (berechnet anhand des Net Asset Value) abzüglich der Gesamtrendite des zugrunde liegenden Index im selben Zeitraum.

Zu empfehlen ist die Betrachtung eines langfristigen Zeitfensters (mindestens ein Jahr).

Beispiel:

Ein ETF erzielt innerhalb eines Jahres eine Rendite von 5 %.

Der Index erzielt im selben Zeitraum lediglich eine Rendite von 4,5 %.

Daraus ergibt sich eine Tracking Differenz von +0,5 % (= 5 % – 4,5 %). Wie Sie sehen, kann die Differenz auch positiv sein.

Das liegt daran, dass ein ETF Erträge durch Wertpapierleihgeschäfte erzielen kann.

Bei diesen Leihgeschäften werden beispielsweise Anteile an Leerverkäufer verliehen, die im Gegenzug einen Zins auf die Leihe zahlen, der dem ETF zugutekommt.

5.6. Total Expense Ratio/Total Cost of Ownership

Die Total Expense Ratio (TER) gibt die laufenden jährlichen Kosten für den Besitz eines ETFs an.

Die TER ist fast identisch mit den Ongoing Charges. Beide Kennzahlen enthalten die laufenden jährlichen Verwaltungsgebühren und sonstige Aufwendungen für zum Beispiel Marketing oder Administration.

Der Name „Total“ Expense Ratio ist jedoch irreführend, da nicht alle Kosten, die dem Anleger entstehen, enthalten sind.

Um alle Kosten anzugeben, wird die Gesamtkostenquote (engl. Total Cost of Ownership, TCO) herangezogen.

Sie wird jedoch auf den Internetseiten der Emittenten und ETF-Anbieter nicht angegeben, da nur die TER einheitlich definiert ist.

Sie müssen also selbst ein wenig rechnen, um Ihre tatsächlichen Gesamtkosten zu ermitteln. Die TCO setzt sich aus internen und externen Kosten zusammen.

Zu den internen Kosten gehören neben den

  • Total Expenses,
  • Steuern auf Wertpapierleiherträge,
  • Neugewichtungskosten oder Swapgebühren (bei synthetischen ETFs).

Die internen Kosten lassen sich anhand der Tracking-Differenz (siehe oben) ermitteln.

Zu den externen Kosten gehören Depotgebühren, der Spread des ETFs und weitere Steuern, die der Investor auf keinen Fall ignorieren sollte.

Diese Kosten können Sie auf den Abrechnungen des Brokers sehen. Um nun die TCO zu erhalten, werden die internen Kosten (anhand der Tracking-Differenz) und die externen Kosten addiert.

06. Vor- und Nachteile des passiven gegenüber dem aktivem Investieren

Vor- und Nachteile des passiven gegenüber dem aktivem Investieren

Warren Buffett schrieb einmal:

„Wenn jemals ein Denkmal errichtet wird, um die Person zu ehren, die das meiste für amerikanische Investoren getan hat, sollte zweifellos die Wahl auf Jack Bogle fallen“.

Warren Buffet

Denn er habe Millionen von Anlegern geholfen, weitaus bessere Renditen auf ihre Ersparnisse zu erwirtschaften, als sie üblicherweise verdient hätten.

Ein Großteil der Fondsmanager (siehe Studien Jensen 1969, Malkiel 2003 u. A.) sind nicht in der Lage, nach Kosten die Performance ihrer Benchmark (d. h. ihres Vergleichsindex) zu schlagen.

Also kann der Anleger auch durch ein passives Investment in einen ETF – wenn er die Kursentwicklung widerspiegelt – einfach und ohne die hohen Gebühren klassischer Investmentfonds an der Entwicklung des Marktes teilnehmen.

Denn nach der Performance des Papiers sind die Kosten der zweite wichtige Faktor, der die Rendite beeinflusst.

ETFs auf breite Marktindizes (z. B. S&P 500) sind weit diversifiziert.

Dementsprechend sind die Risiken gestreut und das Anlagerisiko verringert sich. Zudem ist die Auswahl sehr groß, sodass jeder Anlagetyp einen passenden ETF finden sollte.

Der Aufwand gegenüber einer aktiven Anlagestrategie ist bei einer ETF-Investition deutlich geringer.

Während ein aktives Investment die aufwendige Suche nach einzelnen, besonders aussichtsreichen Werten erfordert, investiert der ETF-Anleger ohne großen Aufwand in einen ganzen Markt.

Hinzu kommt eine geringere psychische Belastung.

Aktives Investieren erfordert die ständige Beobachtung der Marktsituation und eine regelmäßige Neubewertung der Papiere.

Dagegen verfolgen passive Anleger eine Buy-and-Hold-Strategie über mehrere Jahre hinweg, die sich in der Vergangenheit bewährt hat.

Kurzfristige Schwankungen haben auf die langfristige Performance des passiven Anlegers meist keinen Einfluss, da sie sich im Verlauf des mehrjährigen Investments in der Regel ausgleichen.

Seit 1975 und bei einem Anlagehorizont von 15 Jahren haben Investoren real kein Geld verloren (Achtung: Hierbei handelt es sich lediglich um einen Referenzpunkt; Abweichungen vom Wert sind möglich).

Der aktive Investor hat (häufig) einen kurzfristigen Anlagehorizont.

Für ihn spielt das Market Timing – anders als für den passiven Investor – eine wichtige Rolle.

Zwar empfiehlt es sich auch für passive Anleger, nicht an einem Allzeithoch in den Markt einzusteigen. Aber aufgrund der Langfriststrategie (wenn sie tatsächlich durchgezogen wird) beeinflusst der Einstiegszeitpunkt ihre Performance deutlich weniger.

Insofern bieten ETFs einen echten Mehrwert für jeden Investor.

Doch in ihrer Einfachheit liegt ein wichtiges Problem. In den Medien, vor allem im Mainstream, werden ETFs/passives Investieren oft als Heiliger Gral des Investierens gepriesen.

Das sind sie allerdings nicht.

Es entsteht fast der Eindruck, jedem Börsenneuling werden ETFs empfohlen, ohne über Risiken aufzuklären.

Grundsätzlich stehen alle Investoren – unabhängig davon, ob sie aktive oder passive Strategien verfolgen – immer vor dem gleichen Problem:

Rutscht der Markt in eine Baisse, wird panisch verkauft.

Bei aktiven Investoren kommt hinzu, dass sie ihre Strategie aufgeben, wenn sie den Markt nicht schlagen (auch wenn sie Gewinne machen).

Dabei ist selbst bei einer profitablen Strategie eine längere Unterperformance nie auszuschließen.

Welche Rolle die aktuelle Marktlage spielt, wird bei der ETF-Empfehlung für Neulinge aber häufig komplett ignoriert.

Somit hat auch der passive Investor mit seiner eigenen Psyche zu kämpfen.

Ein ETF im Depot schützt nicht vor falschen Entscheidungen, vor allem nicht vor Denkfehlern.

Die Auseinandersetzung mit der menschlichen Psychologie ist jedoch ausschlaggebend. Einerseits, um nicht am Tiefpunkt zu verkaufen, andererseits, um ein ständiges Ein- und Aussteigen zu vermeiden, das die Handelskosten massiv erhöht.

Helfen können nur eine Strategie und Produkte, die Sie mit Ihrer Risikotoleranz auch vereinbaren können.

Trotz der Produktvielfalt sind simple ETFs in der Regel zu bevorzugen.

Grundsätzlich gilt:

Je komplexer die Anlagestrategie des ETFs (z. B. bei Smart Beta ETFs), desto höher fallen die Kosten aus und desto intransparenter ist die Preisbildung aus Sicht des Investors, dem der Investmentprozess oft unklar bleibt.

Hinzu kommt, dass beim Smart Beta ETF genau genommen aktiv gehandelt wird (oder zumindest semi-aktiv), da eine gewisse regelbasierte Strategie umgesetzt wird.

Zwar sind es nicht Sie, der hier bewusst handelt, sondern der Fondsmanager des ETFs.

Aber Sie sollten sich darüber bewusst sein, dass Sie hiermit keine reine Strategie des passiven Investments mehr verfolgen.

Denn das Timing-Problem lässt sich auch auf Smart Beta ETFs übertragen.

So beeinflussen nicht alle Faktoren die Preisentwicklung jederzeit gleichermaßen. Zum Beispiel schneidet der Faktor „Growth“ (Wachstum) in einem bestimmten Marktumfeld (Hochkonjunktur, expansive Geldpolitik etc.) besser ab als der Faktor „Value“.

Mit Smart Beta ETFs geben Sie also inhärent eine Schätzung, welcher Faktor in Zukunft outperformen wird. Generell ist das Market Timing eine schwierige Angelegenheit.

Denn niemand ist in der Lage, Kursbewegungen exakt vorherzubestimmen.

07. Risiken von ETFs

Risiken von ETFs

Marktrisiken

Wie bei allen börsengehandelten Finanzprodukten bestehen unterschiedliche Marktrisiken.

Sie können in das allgemeine (systematische) und in das unspezifische (unsystematische) Marktrisiko unterteilt werden.

Das allgemeine Risiko beschreibt Kursbewegungen, die durch generelle Marktbewegungen ausgelöst werden.

Ein möglicher Auslöser ist eine Änderung ökonomischer Daten, wie zum Beispiel das BIP-Wachstum oder die Arbeitslosigkeit.

Das unsystematische Risiko beinhaltet Kursänderungen, die durch unternehmensspezifische Neuigkeiten ausgelöst werden. Der wohl größte Einfluss geht dabei von der operativen Entwicklung eines Unternehmens aus.

Tracking Error

Besonders bei ETFs kommt das bereits erwähnte Risiko des Tracking Errors hinzu.

Es besteht die Gefahr, dass der ETF die Kursentwicklung ungenau oder fehlerhaft nachbildet.

Für Sie als Anleger kann das bedeuten, dass Sie von der Entwicklung nicht wie gewünscht profitieren. Allerdings besteht umgekehrt die Chance, vom Tracking Error zu profitieren.

Zum Beispiel, wenn der Verlust aufgrund des Tracking Errors geringer ausfällt.

Gegenparteirisiko

Unabhängig von der Replikationsmethode entfällt bei ETFs das Emittentenrisiko, da die im ETF enthaltenen Wertpapiere in einem gesonderten Fondsvermögen gehalten werden.

Dennoch besteht das Gegenparteirisiko vor allem bei swapbasierten ETFs.

Es kann vorkommen, dass eine Partei den Verpflichtungen eines Swaps aufgrund von Insolvenz oder mangelnder Liquidität nicht nachkommen kann.

Dieses Risiko wird verringert, indem eine Sicherheitsleistung in Form von sicheren und liquiden Papieren, die mehr als 100 % des Vermögens abdecken, verlangt wird.

Laut Gesetz dürfen nur maximal 10 % des Fondsvermögens eines ETFs verloren gehen, wenn eine Swap-Gegenpartei insolvent wird.

Das Gegenparteirisiko besteht auch bei anderen Verfahren der Replikation, nämlich dann, wenn die gehaltenen Wertpapiere weitergeliehen werden. Aber auch Wertpapierleihgeschäfte werden besichert durchgeführt.

Marktliquiditätsrisiko

Außerdem besteht das Marktliquiditätsrisiko.

Ein Verkauf von Wertpapieren bei einer zu geringen Liquidität kann oftmals nur mit hohen Preisabschlägen oder im schlimmsten Fall gar nicht erfolgen.

Das kann vor allem bei einer Börsenpanik vorkommen.

Hier geraten zahlreiche Anleger in Panik und wollen ihre Papiere abstoßen. Da es auf der Gegenseite keine Käufer gibt, kommt der Handel nicht zustande und die Liquidität sinkt.

Für Sie bedeutet das, dass Sie bei der Auswahl von ETFs auf eine ausreichend große Liquidität achten sollten, um dem Marktliquiditätsrisiko im gewissen Rahmen entgegenzuwirken.

Systemische Risiken

Darüber hinaus werden immer häufiger systemische Risiken der ETFs diskutiert.

In den folgenden Abschnitten stellen wir Ihnen vor, welche Risiken für Sie als Anleger die größte Relevanz haben.

Wir glauben, dass die wenigsten Investoren diese Risiken bisher wirklich verstanden haben.

Ein großes Risiko für den Anleger stellt die Pseudo Diversifikation der ETFs dar.

Es ist richtig, dass mit einem ETF auf einen breiten Aktienindex mit 30, 100 oder mehr Werten das Risiko breit gestreut wird.

Allerdings ist der zusätzliche Nutzen einer weiteren Diversifikation bei jedem zusätzlichen Wertpapier abnehmend.

Das heißt, dass die Diversifikation zweier Portfolios mit 100 oder 500 Werten praktisch gleich ist.

Abnehmende Grenzerträge der Diversifikation bei ETFs

Des Weiteren gilt, dass die Diversifikation nur in einem Bullenmarkt wirkt, also in einem Börsenumfeld mit steigenden Aktienkursen.

In Börsencrashs steigt die Korrelation der Wertpapiere stark an, sodass im Bärenmarkt sehr viele Anlageklassen (Aktien, Währungen, Rohstoffe, Anleihen usw.) fallen.

Da kann auch die „Diversifikation“ der ETFs den Anleger nicht vor Kursverlusten schützen.

Emotionen (Panik, Gier usw.) spielen bei den Markteilnehmern eine große Rolle bei der Anlageentscheidung.

Wie wir oben im Beispiel gesehen haben, kann ein einzelner Aktientitel in vielen verschiedenen ETFs enthalten sein.

Dadurch wird das Herdenverhalten der Investoren, vor allem in Bärenmärkten, verstärkt.

Denn jetzt verkaufen nicht nur Aktionäre, die sich direkt am Unternehmen beteiligt haben, sondern auch alle passiven Investoren, die ETFs halten und indirekt in vielen Unternehmen „investiert“ sind.

Verstärkt wird dieser Effekt durch das bereits sehr hohe Volumen in ETFs, das bis 2025 auf 25 Billionen USD anwachsen soll (Prognose: State Street, 2018).

Das führt dazu, dass Kursbewegungen an den Börsen extremer ausfallen dürften.

Auch sogenannte Flash Crashs stellen eine Gefahr dar.

Bei einem Flash Crash verlieren Titel innerhalb kürzester Zeit sehr stark an Wert.

Das war zum Beispiel im August 2015 beim S&P 500 der Fall, als er nach Handelseröffnung um sechs Prozent fiel.

Damals fielen aber die ETFs um mehr als 30 Prozent. Denn die Market Maker konnten die Kurse der enthaltenen Titel nicht korrekt berechnen.

Um das Risiko des Market Maker zu verringern, werden die Kurse der Vermögenswerte geschätzt.

Besonders Anleger, die Stopp-Loss-Kurse gesetzt haben, erlitten herbe Verluste, obwohl sich der Kurs anschließend stabilisierte.

Genauso können ETFs euphorische Marktphasen befeuern.

In den Indizes werden die Titel stärker gewichtet, deren Kurse sich in der Vergangenheit besser entwickelt haben. In gewisser Weise handelt man dadurch prozyklisch.

Insgesamt konzentriert sich die angelegte Summe auf wenige stark gestiegene Papiere.

Beispielsweise werden aktuell US-Aktien im MSCI World Aktienindex mit circa 63 % gewichtet (Stand: Juni 2020).

Darüber hinaus kann ein weiter anhaltendes Wachstum der Anlageklasse große Auswirkungen auf das Asset Management und die Hedgefonds-Industrie haben.

Laut Bloomberg werden die Anlagevolumina von BlackRock und Vanguard innerhalb des nächsten Jahrzehnts schätzungsweise auf 20 Billionen USD ansteigen.

Damit steigt der Anteil an den größten amerikanischen und europäischen Unternehmen.

BlackRock, Vanguard und State Street besitzen bereits 20 % der Marktkapitalisierung der größten US-Unternehmen (Juni 2020).

Auch bei den DAX-Konzernen gehört BlackRock zu den größten Anteilseignern.

Von einem solchen Wachstum in passiven Anlagen profitieren vor allem große Unternehmen, die besonders häufig in unterschiedlichen ETFs abgebildet werden.

Laut Goldman Sachs wird eine durchschnittliche Aktie im S&P 500 nur noch zu 77 % auf Basis von Fundamentaldaten gehandelt.

Vor einem Jahrzehnt betrug der Anteil noch 90 %.

Das heißt, dass die Bedeutung fundamentaler Daten abnimmt und die der makroökonomischen Faktoren zunimmt.

Einige Hedgefonds-Manager beklagen, dass das Marktgeschehen vom Antizipieren der Kapitalströme bestimmt wird.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Performance kleiner und mittlerer Unternehmen unter dieser Entwicklung leiden dürfte, da sie in den ETFs nur unterdurchschnittlich vertreten sind.

Dadurch sinkt in diesen Unternehmen der Anreiz, an die Börse zu gehen.

Noch ist das Volumen in ETFs verglichen zum weltweiten Anlagevolumen gering, sodass der Einfluss des ETF-Marktes überschaubar ist.

Laut Goldman Sachs machen ETFs bisher nur 6 % der US-Marktkapitalisierung aus.

Doch die Prognosen zeigen eine eindeutige Tendenz, wodurch die Risiken ernster zu nehmen sind.

Selbst John Bogle, Gründer von Vanguard, sieht dieses Wachstum kritisch. Er wünscht sich mehr Konkurrenz im Markt, der momentan von BlackRock, State Street und Vanguard beherrscht wird.

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