Fiverr-Aktie: Das Amazon für Kreative?

Die Corona-Pandemie verändert unsere Arbeitswelt nachhaltig.

Der Megatrend “Home Office” verändert auch die Art und Weise wie Firmen (und auch Privatleute) Aufträge vergeben. Auch dafür wird immer mehr das Internet genutzt, bevorzugt über Online-Marktplätze.

Fiverr betreibt eine solche Plattform für kreative Freiberufler – und wächst hier in einem atemberaubenden Tempo.

Fiverr ist dabei ein Vertreter eines anderen Megatrends, der schon vor Corona “hot” war:

Das ist der Teil des Arbeitsmarktes, bei dem kleine Aufträge über eine Online-Plattform kurzfristig an unabhängige Selbständige, Freiberufler oder geringfügig Beschäftigte vergeben werden.

Die Plattform des genau wie Xiaomi erst 2010 gegründeten Unternehmens wurde anfangs vor allem für den Handel mit (Firmen)logos verwendet.

Firmen gaben ein solches Logo in Auftrag und ein Freiberufler irgendwo auf der Welt lieferte es dann für kleines Geld.

Fiverr kassierte eine Provision.

Das war wenig spektakulär und nach anfänglichem schnellen Wachstum stagnierte der Online-Marktplatz. Schnell aufwärts ging es mit Fiverr dann wieder als der Investor Bessemer Venture Partners Teile des Managements einer anderen sehr erfolgreichen Beteiligung, Wix.com, quasi bei Fiverr installiert hat.

Wix.com bietet eine Plattform mit der Privatpersonen und Firmen hochwertige eigene Webpages erstellen können.

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Das Know-how des Wix.com-Managements mit der Gig Economy half Fiverr dabei, besser auf die Wünsche seiner Kunden einzugehen.

Das Logo-Geschäft beispielsweise wurde längst mit Hilfe künstlicher Intelligenz und durch das Nutzen der immer größer werdenden Datenbank automatisiert, so dass viel leichter Transaktionen zustande kommen, die sowohl Käufer als auch Verkäufer zufriedenstellen.

Das Spannende an Fiverr ist aus meiner Sicht aber der enorm große adressierbare Markt, der fast unbegrenztes theoretisches Wachstumspotenzial bietet.

Inzwischen gibt es über 300 verschiedene Produktkategorien (u.a. Ghostwriting von Artikeln, Bearbeitung von Videos, Übersetzungen, das Schreiben von Business-Plänen etc.) bei Fiverr und eine Studie aus dem Jahr 2018 kam zu dem Ergebnis, dass der Markt für Freiberufler ein Volumen von 135 Milliarden US-Dollar pro Jahr hat – alleine in den USA.

COVID-19 dürfte dieses Marktvolumen weiter vergrößern.

Dem aus Israel stammenden Unternehmen gelingt es dabei eine Provision von 25 % am Markt durchzusetzen (5% vom Verkäufer und 20% vom Käufer).

Das ist deutlich mehr als die Konkurrenz, zu der beispielsweise Upwork (Kürzel UPWK an der NASDAQ) oder Freelancer (FLN in Australien) gehören.

Trotzdem gewinnt Fiverr Marktanteile hinzu. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass die erst seit Juni 2019 an der New York Stock Exchange (NYSE) notierte Firma die beste Technologie hat bzw. seinen Kunden die beste Dienstleistung anbietet.

Schaut man sich die nackten Zahlen an erscheint die Aktie auf Basis herkömmlicher Bewertungsmaßstäbe sehr teuer.

Aber der große Reiz dieser Plattformen liegt natürlich darin, dass letztlich alle dahin gehen, wo der meiste “Traffic” ist.

Fiverr könnte sich deshalb zu dem Platz entwickeln, wo jeder(!) kreative Dienstleistungen erwirbt, die digital geliefert werden können – ähnlich wie Amazon ja möglichst alle Dinge an alle Menschen verkaufen möchte.

Gelingt das könnte sich der Kurs von Fiverr in den kommenden Jahren vervielfachen – trotz des bereits erfolgten stürmischen Anstiegs zuletzt! Im ersten Quartal waren die Umsätze um 43,9 % auf 34,2 Mio. $ gestiegen und der Non-GAAP-Verlust von 0,19 $ war um 0,08 $ geringer als erwartet.