Finanzanlagen – Grundlagen und Überblick über Finanzanlagen

Was sind Finanzanlagen?

Finanzanlagen sind grundsätzlich alle vertraglichen Ansprüche und Verpflichtungen, die unmittelbar oder mittelbar den Austausch von Zahlungsmitteln zum Gegenstand haben.

Es handelt sich bei Finanzanlagen um Produkte des regulierten Bankenbereiches, also um übertragbare Wertpapiere, die an den Finanzmärkten gehandelt werden.

Der deutsche Gesetzgeber hat die Begrifflichkeit der Finanzinstrumente unter anderem im Wertpapierhandelsgesetz festgeschrieben, das in geänderter Fassung am 19.12.2014 in Kraft getreten ist. Gemäß §2 WpHG zählen zu den Finanzinstrumenten:

– Wertpapiere
– Anteile an Investmentvermögen
– Geldmarktinstrumente
– Derivate bzw. Termingeschäfte
– Rechte auf Zeichnung von Wertpapieren
– Namensschuldverschreibungen mit fester Laufzeit und festem Zinssatz
– Sonstige Instrumente, die an einem organisiertem Markt im Inland oder der EU zugelassen sind.

Was ist das Kreditwesengesetz (KWG)?

Das Gesetz über das Kreditwesengesetz (KWG) trat bereits im Jahre 1935 in Kraft – als Reaktion auf die deutsche Bankenkrise ein Jahr zuvor.

Im KWG wird die Sicherung des öffentlichen Vertrauens in die Funktionsfähigkeit der Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute aber auch der allgemeine Gläubigerschutz geregelt.

Die Regeln beziehen sich insofern auf Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute und deren Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Darüber hinaus ist in §6 Abs. 1 die allgemeine Missstands-Aufsicht der BaFin im Kredit- und Finanzdienstleistungswesen geregelt, die die ordnungsgemäße Durchführung der Bankgeschäfte bzw. der Finanzdienstleistungen gewährleisten und das Auftreten von erheblichen Nachteilen für die Gesamtwirtschaft durch ebenjene verhindern soll (Solvenz-Aufsicht).

Die Aufsicht der BaFin beinhaltet u.a. die Zulassung von Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten und deren anschließende Überwachung. Hierbei geht es beispielsweise um die Prüfung, ob eine ausreichende Eigenmittelausstattung vorhanden ist und den Nachweis der fachlichen und persönlichen Zuverlässigkeit bei Personen, die diese Institutionen leiten.

Was sind Finanzinstrumente?

Finanzinstrumente werden in §1 Abs.11 KWG wie folgt definiert:

1. Aktien
Aktien und andere Anteile an in- oder ausländischen juristischen Personen, Personengesellschaften und sonstigen Unternehmen, soweit die Aktien vergleichbar sind, sowie Zertifikate, die Aktien oder Aktien vergleichbare Anteile vertreten.

2. Vermögensanlagen
Vermögensanlagen im Sinne des §1 Abs.2 des Vermögensanlagegesetztes mit Ausnahme von Anteilen an einer Genossenschaft im Sinne des §1 des Genossenschaftsgesetztes.

3. Schuldtitel
Schuldtitel, insbesondere Genussscheine, Inhaberschuldverschreibungen, Orderschuldverschreibungen und diesen Schuldtiteln vergleichbare Recht, die ihrer Art nach auf den Kapitalmärkten handelbar sind, mit Ausnahme von Zahlungsinstrumenten, sowie Zertifikate, die diese Schuldtitel vertreten.

4. Sonstige Rechte
Sonstige Rechte, die zum Erwerb oder zur Veräußerung von Rechten nach den Nummern 1 und 3 berechtigen oder zu einer Barzahlung führen, die in Abhängigkeit von solchen Rechten, von Währungen, Zinssätzen oder anderen Erträgen, von Waren, Indizes oder Messgrößen bestimmt wird.

5. Anteile an Investmentvermögen
Im Sinne des §1 Abs.1 des Kapitalanlagegesetzbuches

6. Geldmarktinstrumente

7. Devisen oder Rechnungseinheiten

8. Derivate

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Was ist eine Aktie?

Eine Aktie ist nach dem deutschen Aktiengesetz ein Bruchteil des Grundkapitals. Also ein Wertpapier, das einen gewissen Anteil an einer Gesellschaft verbrieft.

Dieses Wertpapier wird auch Anteilsschein genannte – ähnlich dem Geschäftsanteil an einer GmbH. Während der Gründung einer Aktiengesellschaft wird festgelegt, in welchem Umfang sowie in welcher Art und Weise das Grundkapital aufgeteilt wird, d.h. wie viele Aktien zu welchem Wert in welcher Form (Nennwert- oder Stückaktien) herausgegeben werden.

Diese ursprüngliche Herausgabe aber auch die im Rahmen einer Kapitalerhöhung wird als Emission bezeichnet.

Das Grundkapital kann zu unterschiedlich großen Anteilen herausgegeben werden. Beispielsweise kann die Aufteilung eines Grundkapitals in Höhe von 100.000 Euro demnach auf Aktien unterschiedlichen Wertes (z.B. 1000 Aktien a 50 Euro und 50 Aktien a 1000 Euro) erfolgen.

Diese Aktien heißen Nennwertaktien, da ein konkreter Betrag aufgedruckt ist. Ist der Wert aller Anteile am Grundkapital gleich und wird in Prozent oder Promille angegeben, handelt es sich um nennwertlose Aktien oder auch Stückaktien.

Diese Aktienform wurde der Einfachheit halber im Rahmen der Euro-Währungsumstellung eingeführt.

Buchwert vs. Börsenwert

Es wird zwischen dem Buchwert einer Aktie (Eigenkapital des Unternehmens) und dem Börsenwert (aktueller Börsenkurs) unterschieden.

Vom Vorstand der Aktiengesellschaft wird die Höhe der pro geleisteten Zahlung an die Aktienbesitzer (Aktionäre) vorgeschlagen.

Dieser Gewinnverwendungsvorschlag muss im Anschluss von der Hauptversammlung des Unternehmens beschlossen werden.

Das Unternehmen entscheidet ebenfalls darüber, wie die Aktionäre behandelt werden.

Gilt das Gleichheitsprinzip (Einheitsaktie) oder die Unterscheidung nach Stimmrecht (Stammaktie, Vorzugsaktie) bzw. Übertragbarkeit (Inhaberaktie, Namensaktie)

Finanzanlagen im Überblick

Wie entsteht der Aktienpreis?

Der Aktienpreis einer Aktie wird über das
– Festpreisverfahren
– Auktionsverfahren
– Bookbuildingverfahren
ermittelt.

Um den Handel mit bestimmten Aktien zu vereinfachen bzw. zu unterstützen, können diese Aktien gesplittet werden. Hier erhalten Aktionäre für den Wert einer Aktie nunmehr zwei Aktien zum halben Preis.

Der Vorteil ist, dass man einen Teil verkaufen kann, ohne die Rechte als Aktionär zu verlieren. In der Regel werden Aktien zum Nennwert oder auch darüber emittiert. Eine Ausgabe unterhalb des festgelegten Preises ist gemäß §9 AktG nicht gestattet.

Weitere Pflichten sind im Wertpapierhandelsgesetz festgelegt, so zum Beispiel die Veröffentlichungspflichten in Bezug auf den Aktienbestand bzw. den Kauf/Verkauf von Aktien durch Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglieder.

Auf deren Basis kann ermittelt werden, wie viele Aktien sich außerhalb des Unternehmens im freien Umlauf befinden.

Welche Rechte hat ein Aktionär?

Jeder Aktionär hat bestimmte Rechte, die im Aktiengesetz festgeschrieben sind. Er kann diese Rechte selbst wahrnehmen oder per Vollmacht seiner Bank, die (je nach Anzahl der bei ihr verwalteten Aktien) einen großen Einfluss haben kann.

Zu den Aktionärsrechten gehören:
– die Teilnahme, das Rede- bzw. Stimmrecht in der Hauptversammlung
– das Auskunftsrecht
– das Bezugsrecht (§186 AktG)
– Recht auf Anteil am Bilanzgewinn und Liquiditätserlös

Was sind Vermögensanlagen?

Vermögensanlagen sind Investitionen, die unter Verwendung finanzieller Mittel dazu dienen, das Privatvermögen zu vermehren bzw. die Gewinne eines Unternehmens zu steigern.

Neben kurzfristigen Vermögensanlagen gehören hierzu auch Investitionen in Wertpapieren. Weit verbreitet sind allerdings in diesem Zusammenhang die langfristigen Sachanlagen privater oder öffentlicher Unternehmen in Form von Immobilien, Fahrzeugen, Maschinen oder Einrichtungen.

Was sind Schuldverschreibungen?

Die Erklärung in Form eines Wertpapiers, bei der sich ein Schuldner (Emittent) gegenüber einem Gläubiger (Anleger) zur Rückzahlung der geliehenen Geldsumme und einer laufenden Verzinsung oder sonstigen Leistung verpflichtet, nennt man Schuldverschreibung, Anleihe, oder Obligation.

Schuldverschreibungen sind also nicht anderes als langfristige Kredite, die in Teilen verbrieft und beispielsweise als Industrie- oder Kommunalobligation (§363 HGB), Pfandbriefe oder Schatzanweisungen ausgegeben werden.

Diese Ausgabe bzw. Emission ist mit erheblichen Kosten verbunden. Im Laufe der Zeit bildeten sich verschiedene Varianten heraus, die mitunter gesetzlichen Regelungen unterworfen sind. Hierzu gehören u.a. Options- und Wandelanleihe.

Gewinnobligationen und Genussscheine werden ohne gesetzliche Grundlage gehandelt.

Ihnen allen gemein ist das Forderungsrecht (Zinszahlung und Rückzahlung mindestens zum Nennwert). In der Regel wird der Beteiligungscharakter ausgeschlossen, wie er etwa bei Aktien vorkommt.

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Was sind Zertifikate?

Bei Zertifikaten handelt es sich ebenfalls um Schuldverschreibungen, die jedoch keine feste Verzinsung gewähren, sondern ausschließlich die Teilhabe am Erfolg bzw. Misserfolg eines Börsengeschäfts.

Diese klassischen Retail-Produkte werden von Banken herausgegeben und vorwiegend an Privatkunden verkauft.

Für die Anleger bieten Zertifikate eine Möglichkeit des zunehmend außerbörslichen Handels in verschiedenen Anlageklassen.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei Gruppen:
1) Partizipationszertifikate, bei denen man lediglich in verschiedene Basiswerte investiert, ohne den eigentlichen Basiswert zu erwerben.
2) Index-Zertifikate, die die Entwicklung des zugrunde liegenden Aktien-, Wertpapier- oder Rohstoffindex abbilden.
3) Basket-Zertifikate (REIT-Zertifikate), die die Kursentwicklung eines Immobilienindex oder einer börsennotierten Immobilien-Gesellschaft reflektieren.

Darüber hinaus kann man in Tracker-Zertifikate, sogenannte Exchange Traded Commodities, Discount-Zertifikate, Bonus-Zertifikate, Hebel-Zertifikate bzw. Know-out-Zertifikate, Bandbreiten-Zertifikate, Airbag-Zertifikate, Outperformance-Zertifikate, Garantie-Zertifikate, Alpha-Zertifikate, oder aich Sport-Zertifikate investieren.

Allerdings birgt die Investition in Zertifikate im Allgemeinen hohe Risiken, etwas bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten. Ein solcher Totalverlust ist bisher zwar nur einmal vorgekommen (Insolvenz Lehman Brothers), aber somit eben nicht vollkommen unmöglich.

Was sind Anteile an Investmentvermögen?

Der Anleger kann durch Zahlung eines Ausgabepreises Miteigentümer eines Investmentfonds werden, indem er/sie Anteile erwirbt. Diese ausgegebenen Anteile werden von einer Kapitalanlagegesellschaft (KAG) in Form von von Anteilsscheinen verbrieft, auf den Inhaber oder namentlich Genannten ausgestellt und müssen sowohl von der KAG als auch der Depotbank unterzeichnet werden.

Der Wert dieser Anteilsscheine entspricht dem Wert des Anteils am Sondervermögen zuzüglich eines vertraglich festgesetzten Ausgabeaufschlages.

Der Rückgabepreis entspricht demselben Wert abzüglich Ausgabeaufschlag.

Was sind Geldmarktinstrumente?

Nach §48 InvG sind Geldmarktinstrumente alle Instrumente, die üblicherweise auf dem Geldmarkt gehandelt werden, sowie verzinsliche Wertpapiere, die im Zeitpunkt ihres Erwerbs für das Sondervermögen eine restliche Laufzeit von höchstens 397 Tagen haben, deren Verzinsung nach den Ausgabebedingungen während ihrer gesamten Laufzeit regelmäßig, mindestens aber einmal in 397 Tagen, marktgerecht angepasst wird oder deren Risikoprofil dem Risikoprofil solcher Wertpapiere entspricht.

Konkrete Beispiele für Geldmarktinstrumente sind Depositentzertifikate (Certificate of Deposit, CD) Commercial Papers (CP), Bankakzepte, Kassenobligationen und Schatzwechsel zentraler und regionaler Regierungsstellen.

Was sind Devisen?

Bei Devisen handelt es sich grundsätzlich um ausländische Währung in Form von Guthaben oder Forderungen.

Rechnungseinheiten stellen lediglich einen Wertmaßstab und kein gesetzliches Zahlungsmittel dar. Sie werden in der Außenwirtschaft bei der Abwicklung internationaler Geschäfte innerhalb eines Verrechnungsverfahrens zugrunde gelegt.

Ein Beispiel hierfür ist die Europäische Währungseinheit (ECU), die der Vorläufer des Euro war.

Was sind Derivate?

Derivate sind gegenseitige Verträge bzw. Termingeschäfte, die ihren wirtschaftlichen Wert aus Kursschwankungen oder Preiserwartungen anderer Investments bzw. Basiswerte (Aktien, Anleihen, Zinssätze, Indizes, Bonitätsratings, Rohstoffe, Devisen) ableiten.

Derivate können Preisschwankungen der zugrunde gelegten Anlageobjekte überproportional nachvollziehen und somit zur Absicherung gegen Wertverluste aber auch zur Spekulation auf Kursgewinne der abgeleiteten Basiswerte verwendet werden.

Beispiele für Derivate sind Aktion- oder Aktienindexoptionen, Devisentermingeschäfte, Warentermingeschäfte, Zinsoptionen, Edelmetall-Futures, Forward Rate Agreements (FRA) und sogenannte Swaps.

„Derivate mit Ausnahme der Stillhalterverpflichtungen aus Kaufoptionen sowie die dafür übernommenen Gewährleistungen und andere außerbilanzielle Geschäfte“ sind gemäß §19 KWG Kredite im Sinne des §14 KWG.

Fabian Beining Investmentberatung

Über den Autor

Als unabhängiger Finanzberater gibt Fabian Beining Dir einen objektiven Überblick über Deine Versicherungen und Finanzprodukte und entwickelt mit Dir gemeinsam eine zielgerichtete, risiko-effiziente Anlagestrategie, die zu Deinen individuellen Wünschen und Zielen passt.