Checkliste Aktienkauf: 10 Punkte welche Aktien Sie nicht kaufen sollten

Im Aktienmarkt sind definitiv viele herausragende Firmen notiert, die uns als Anlegern auch auf lange Sicht sehr viel Freude machen. Nach solchen Aktien screene ich fast täglich die Kurslisten aus aller Welt.

Dabei begegnen mir aber speziell in den weniger regulierten Marktsegmenten (Freiverkehr in Deutschland / OTC-Markt in den USA) auch jede Menge Schrottaktien.

Warren Buffett sagt zurecht:

“Du wirst als Börsianer weit mehr dramatisch überbewerteten Aktien begegnen als dramatisch unterbewerteten. Es ist üblich für Promoter, eine Aktie auf das Fünf- bis Zehnfache ihres fairen Werts zu treiben, aber es kommt selten vor, dass man eine Aktie findet, die nur bei zehn bis 20 Prozent ihres fairen Werts notiert.”

Wichtig für den Erfolg an der Börse ist es deshalb nicht nur, die richtigen Aktien zu kaufen, sondern auch bestimmte Aktien konsequent nicht zu kaufen und zu meiden.

Nachfolgend erhältst Du eine Checkliste, die Du immer verwenden kannst, wenn Du Dir unschlüssig bist, ob Du eine Aktie kaufen sollst oder nicht.

Am besten fährst Du, wenn Du das betreffende Papier sofort von Deiner Watchlist streichst, wenn auch nur einer der nachfolgenden Punkte zutrifft:

Regel Nummer 1:

Nehme Empfehlungen von Außenstehenden (Bekannte, Zeitschriften, Fernsehen, Briefe, Newsletter) grundsätzlich mit einer gesunden Portion Skepsis entgegen, insbesondere dann, wenn Du noch keine oder wenig Erfahrungen mit der betreffenden Publikation hast und/ oder mit dem Namen der betreffenden Aktie nichts anfangen kannst.

Regel Nummer 2:

Besondere Vorsicht solltest Du walten lassen, wenn die entsprechenden Publikationen aus dem Ausland stammen bzw. als Kontaktadresse des Börsenbriefs eine ausländische Adresse angegeben ist.

Beispielsweise ist es so, dass Aktienpromoter in Österreich leichtes Spiel haben, weil dort die gesetzlichen Regelungen weit weniger streng sind als in Deutschland.

Laut österreichischem Börsengesetz ist Marktmanipulation anders als in Deutschland keine Straftat, sondern eine “Verwaltungsübertretung”.

Lese immer das Kleingedruckte und achte darauf, ob von möglichen Interessenkonflikten die Rede ist.

Meiden solltest Du unbedingt Empfehlungen bei denen die beschriebenen Unternehmen direkt oder indirekt auch Kunden des Börsenbriefes waren, sind oder in Zukunft sein werden.

Gibt es diese Interessenkonflikte kann es beispielsweise sein, dass der Autor als Gegenleistung für die Empfehlung der betreffenden Aktie selbst Gratisaktien erhält.

Natürlich wird er dann ausschließlich Positives über das Papier schreiben.

Regel Nummer 3:

Kaufe keine ausländischen Aktien, die in Deutschland ein höheres Handelsvolumen aufweisen als an der Heimatbörse.

Ist das der Fall, kannst Du davon ausgehen, dass eine Aktien-Promotion läuft, in deren Rahmen der Kurs einer Aktie künstlich nach oben “gepusht” wird und im Anschluss dann umso schneller fällt.

Der Hintergrund:

In der Vergangenheit haben sich deutsche Anleger – leider – oft als besonders gutgläubig herausgestellt. Deshalb ist Deutschland so etwas wie das Mekka der Stock-Promoter.

Häufig lassen sich dort sogar Aktien an den Mann bringen für die sich auch an der Heimatbörse niemand interessiert. Helfe (aus eigenem Interesse) mit, dass sich das ändert und meide die entsprechenden Empfehlungen.

Regel Nummer 4:

Sei besonders vorsichtig, wenn Dir völlig unbekannte Aktien mit wohlklingenden Namen aus einem Bereich aufgedrängt werden, der gerade in Mode ist.

Bestimmte Unternehmen bzw. die dahinter stehenden Akteure haben sich darauf spezialisiert, auf aktuelle Trends aufzuspringen. Lese hierzu auch die Regeln Nr. 6 und Nr. 8.

Zuletzt waren bzw. sind das z.B. Lithium-Aktien und neuerdings auch Marihuana-/Cannabis-Aktien.

Bei den empfohlenen Firmen handelt es sich häufig um Start-ups, die wenig mehr zu bieten haben, als einen Business Plan und große Versprechungen.

Wenn Du derartige Modebranchen handeln möchtest solltest Du ausschließlich auf die Marktführer setzen und nicht auf Firmen aus der zweiten und dritten Reihe. Selbst bei den Marktführern ist Vorsicht angebracht, wenn die Aktien bereits stark gestiegen sind.

Nehme die Titel auf die Watchlist und warte eine deutliche Korrektur ab.

Regel Nummer 5:

Werfe vor dem Kauf einer Aktie zumindest einen oberflächlichen Blick auf die Bilanz der Firma.

Meist findet man diese im Internet auf der Firmen-Website. Sollte dem nicht so sein, müssen bei Dir auf jeden Fall die Alarmglocken angehen.

Häufig sind in der Bilanz dort kaum Aktiva vorhanden.

Warnsignale sind ein

  • geringer Cash-Bestand,
  • niedriges Eigenkapital
  • und eine hohe Verschuldung.

Wenn keine Bilanz vorhanden oder einsehbar ist, kaufe die Aktie nicht.

Schaue darüber hinaus auch auf die Zahl der ausstehenden Aktien und die Marktkapitalisierung.

Wichtig ist dabei auch, nach der voll verwässerten (“fully diluted”) Marktkapitalisierung zu suchen. Denn häufig gibt es bei diesen Unternehmen eine hohe Zahl an Aktienoptionen, die unter bestimmten Bedingungen ausgeübt werden können.

Der Hintergrund:

Aus Mangel an Bargeldbeständen werden die Vorstände und sonstigen Mitarbeiter bei solchen Firmen häufig mit Aktienoptionen bezahlt.

Auch Promo-Firmen und sonstige Stakeholder werden gerne in Form von Aktien vergütet.

Bei Aktienoptionen ist es so, dass der Inhaber die Möglichkeit (Option) hat, die betreffende Aktie ab einem bestimmten Tag in der Zukunft zu einem vorher festgelegten, oft sehr niedrigen Preis zu kaufen (die Option auszuüben).

Er kann die betreffende Aktie dann im Normalfall am freien Markt wieder verkaufen und sofort einen Gewinn realisieren. Je höher die Differenz zwischen dem Bezugspreis und dem Marktpreis ist, umso höher ist der Gewinn des Verkäufers.

Der Effekt ist dann der, dass dem Unternehmen bei der Ausübung der Aktienoption zwar Bargeld zufließt (das dieses meist dringend benötigt), aber gleichzeitig die Zahl der ausstehenden Aktien steigt.

Je mehr Aktienoptionen ausgeübt werden (können), umso stärker steigt die Aktienzahl. Und je mehr Aktien ausstehen, umso höher ist die Marktkapitalisierung.

Häufig sind die Optionen zeitlich gestaffelt. Das heißt z.B. fünf Millionen Optionen können im November 2018 ausgeübt werden, weitere fünf Millionen im März 2019 usw.

Die Folge:

Die Zahl der ausstehenden Aktien steigt ständig und Du als Aktionär wirst immer weiter verwässert (d.h. Dein Anteil am Gesamtunternehmen sinkt im Gegenzug immer weiter).

Im Gegenzug erhält die Firma aber nur relativ geringfügige zusätzliche liquide Mittel.

Entsprechend sinkt fast immer auch der Kurs der Aktie. Das wenige Cash stecken die Firmen dann häufig erneut in Werbemaßnahmen für die eigenen Aktien (und leider nicht ins operative Geschäft) und der Kreislauf beginnt von vorne, allerdings dann meist von einem wesentlich tieferen Kursniveau aus.

Regel Nummer 6:

Recherchiere die Historie des Unternehmens und die bisherige Vita der Vorstände.

Meiden solltest Du Unternehmen, die ihren Geschäftszweck in der Vergangenheit geändert haben.

Wenn aus einem Goldexplorer plötzlich ein Lithiumexplorer wird oder aus einer Glücksspielaktie eine Marihuana-Aktie ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Management nur das “schnelle Geld” machen möchte, in dem es auf einen Trend aufspringt.

Schaue in diesem Zusammenhang auch die Kurshistorie der Aktie an und achte darauf, ob kurzfristige, vermeintlich starke Kursanstiege nur durch eine Kapitalmaßnahme wie einen Reverse Split zustande gekommen sind.

Interessant ist auch der Lebenslauf der Vorstände.

Achte darauf, für welche Firmen diese vorher tätig waren und ob sie damit – objektiv – erfolgreich waren.

Erfolg bedeutet in dem Fall z.B., dass die betreffende Firma mit einem Mehrwert für die freien Aktionäre verkauft worden ist.

Google das betreffende, frühere Unternehmen und – sofern es börsennotiert war – dessen Kursentwicklung.

Verlasse Dich dabei nicht auf die Darstellung des Lebenslaufs auf der Homepage des Unternehmens (dort werden Misserfolge bzw. Ermittlungen der Wertpapieraufsichtsbehörde etc. gerne außen vor gelassen).

Achte auch darauf, ob die Vorstände und Direktoren tatsächlich und nachgewiesenermaßen Experten auf dem Gebiet sind, auf dem das Unternehmen derzeit tätig ist.

Nicht selten sitzen im Vorstand solcher Start-ups Personen, die zwar eine hohe Expertise im Bereich Unternehmensfinanzierung und Börsengang, von der Materie aber keine Ahnung haben. Auch so etwas kann ein Indiz dafür sein, dass das Unternehmen bzw. die Aktie qualitativ minderwertig ist.

Regel Nummer 7:

Es ist gut und sinnvoll Aktien mit intakten Aufwärtstrends zu kaufen.

Meiden solltest Du aber unnatürliche, „wie an der Schnur gezogene“ Charts.

Letztere deuten auf Kursmanipulation hin.

Hintergrund:

Bei neu börsennotierten Unternehmen bzw. wenn es zuvor eine umfangreiche Kapitalrestrukturierung gegeben hat, befinden sich oft fast alle Aktien im Besitz weniger Aktionäre (meist des Vorstands bzw. der “Hintermänner”).

Je geringer die Zahl der frei handelbaren Aktien aber ist, umso leichter können interessierte Kreise den Kurs manipulieren.

Häufig wird sogar das Handelsvolumen nur vorgetäuscht und die “Hintermänner” verkaufen sich die Aktien gegenseitig hin und her mit dem Ziel einen sehr konstanten und gleichmäßigen Aufwärtstrend zu generieren.

Das soll die Anleger in Sicherheit wiegen. Diese Sicherheit ist aber trügerisch, denn irgendwann kommt es dann – wie es scheint aus heiterem Himmel – zu einem umso heftigeren Einbruch.

Nämlich dann, wenn die Initiatoren beschlossen haben, dass die Aktie nun weit genug gestiegen ist und sie ihren Bestand “abladen” möchten. Weil dann auf einmal ein extrem großes Verkaufsinteresse vorhanden ist, dem nur ein geringes Kaufinteresse gegenüber steht, wird die Aktie oft über mehrere Minuten oder gar Stunden nur noch nach unten taxiert, aber nicht mehr gehandelt.

Das heißt: Es wird zwar eine Bid-Ask-Spanne von z.B. 5,00 Euro zu 5,50 Euro angegeben, aber es gibt keine Ausführungen zu diesem Kurs.

Du hast keine Möglichkeit zu verkaufen. Oft werden die Taxen dann immer niedriger, z.B. 4,00 Euro zu 4,50 Euro, und Du kannst nur hilflos zusehen, selbst wenn Du eine Stopp-Loss-Order platziert hattest.


Irgendwann kommt eine Ausführung zustande (z.B. bei 4,00 Euro). Erst dann würde Deine Stopp-Loss-Order ausgelöst (auch wenn sie zum Beispiel schon bei 5,00 Euro lag).

Der Verkauf der Aktie erfolgt dann aber erst bei der nächsten Ausführung – und die kann auf sich warten lassen.

Im Extremfall wird die Aktie immer weiter nach unten getaxt (bis z.B. 2.00 Euro zu 2,50 Euro) und Du bekommst dann erst bei 2,00 Euro Deine Ausführung. Deine zuvor möglicherweise aufgelaufenen Buchgewinne (durch den Aufwärtstrend) können sich so innerhalb von wenigen Minuten bis Stunden in Verluste verwandeln und Du hast keine Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen.

Es hilft nur eins:

Lass die Finger von solchen Aktien!

Regel Nummer 8:

Meide Aktien, die über einen Manteldeal an die Börse gekommen sind.

Von einem Manteldeal (in den USA auch Reverse Merger genannt) spricht man dann, wenn ein nicht börsennotiertes Unternehmen mit einem bereits börsennotierten Unternehmen, das aber aktuell kein eigenes operatives Geschäft mehr hat, fusioniert.

Der Geschäftszweck ändert sich dann entsprechend der Pläne der übernehmenden Firma. Die Börsianer sprechen davon, dass man in einen „leeren Börsenmantel schlüpft“.

Mit einer solchen Transaktion kann ein Unternehmen durch die Hintertür an die Börse kommen, ohne dass es dafür eines aufwendigen regulären Börsengangs mit Kapitalerhöhung (IPO) bedarf.

Das ist insoweit natürlich nicht verwerflich, aber das Problem dabei ist, dass diese Option vor allem von Firmen gewählt wird, die entweder zu wenig Geld für ein IPO haben und/oder im Zuge eines regulären Börsengangs keine Investoren finden würden.

Und das sind eben nun mal meist die Firmen mit minderwertigem operativem Geschäft bzw. gar keinem operativen Geschäft.

Regel Nummer 9:

Meide Pennystocks, insbesondere solche mit einer extrem hohen Zahl an ausstehenden Aktien und einer schwachen Börsenhistorie (d.h. einem langfristigen Abwärtstrend).

Wie oben beschrieben werden häufig bestimmte Aktien immer wieder für Promo-Kampagnen missbraucht.

Der Push wird immer und immer wieder “aufgewärmt”. Wie oben erklärt steigt die Zahl der Aktien immer weiter. Das geht dann bis zum Extrempunkt, dass eine Aktie nur noch den Bruchteil eines Cents wert ist (z.B. 0,001 oder sogar 0,0001 US-Dollar) und es Milliarden von ausstehenden Aktien gibt.

Als Faustregel gilt: Je niedriger der Kurs, umso minderwertiger die Aktie (viele Anleger denken falscherweise “je niedriger der Kurs umso günstiger die Aktie”).

Aber Vorsicht: Es gibt die Möglichkeit via Reverse Split die Zahl der ausstehenden Aktien auf einen Bruchteil der früheren Zahl zu reduzieren (bspw. Reverse Split 1000:1).

Dann ist der Kurs auf einmal wieder optisch hoch, aber die Qualität des Unternehmens natürlich kein bisschen besser. Und die Altaktionäre haben auch nichts davon, weil sie für je 1.000 Aktien nur noch je 1 Aktie haben. Meide also auch Aktien, die einen Reverse Split vollzogen haben.

Regel Nummer 10:

Investiere nie in verdächtige Werte, auch nicht kurzfristig mit dem Ziel “den schnellen Euro” zu machen.

In letzter Zeit sind sowohl die deutsche Wertpapieraufsichtsbehörde BaFin als auch die SEC in den USA strenger geworden.

In der Folge werden dann Aktien, bei denen der Verdacht auf Marktmanipulation oder sonstige Betrügereien besteht, öfter vom Handel ausgesetzt. Wird der Handel nach Wochen oder Monaten wieder aufgenommen, dann eröffnet die betreffende Aktie meist nur noch zum Bruchteil des ursprünglichen Kurses.

Im Extremfall (wenn die Verfehlungen entsprechend schwer sind oder es sich um Wiederholungstäter handelt) kann es sogar vorkommen, dass der Handel überhaupt nicht mehr aufgenommen wird.

Oft wird die Aktie dann irgendwann wertlos aus dem Depot ausgebucht und Du hast einen Totalverlust zu beklagen.

Es hilft nur eins: Meide diese Aktien.

Du findest, das sind ganz schön viele Regeln? Das stimmt. Du kannst es Dir aber auch einfacher machen, in dem Du ausschließlich profitable und qualitativ hochwertige Trendaktien kaufst und auf riskante Aktien, beispielsweise aus dem Biotech- oder Explorer-Bereich, die mit “1.000%”-Versprechungen angepriesen werden, komplett verzichtest.