Bitcoin Stromverbrauch – ein Umwelt Desaster? Wie schlimm ist es wirklich?

Es ist einer der größten Kritik-Punkte am Bitcoin (BTC):

Sein immenser Strom-Verbrauch.

Mit der Kurs-Rallye der vergangenen Monate ist der nochmal deutlich gestiegen.

  • Ist Bitcoin nun eine unökologische Kapital-Anlage?
  • Wie problematisch ist der Strom-Verbrauch und welche Lösungs-Ansätze gibt es?

Der Bitcoin (BTC) ist zuletzt wieder deutlich unter die Marke von 50.000 US-Dollar gerutscht, nachdem sich die Konsolidierung zuletzt weiter fortgesetzt hat.

Dem Bitcoin-Stromverbrauch hat das keinen Abbruch getan. So wurde auch Elon Musk für das Bitcoin-Engagement von Tesla kritisiert, immerhin steht das Unternehmen für eine nachhaltige, umweltfreundliche Zukunft.

Der hohe Energie-Aufwand des Bitcoin-Systems rührt daher, dass dort der Proof-of-Work (PoW) Konsens-Algorithmus zum Einsatz kommt. Dabei stellen die Miner ihre Rechenleistung für die Lösung kryptografischer Rätsel zur Verfügung.

Die „Hashrate“ gibt an, wie viele dieser Berechnungen pro Sekunde durchgeführt werden, ist also eine Maßeinheit für die Rechenleistung des Systems.

Die Hashrate war, ebenso wie Bitcoin, vor kurzem auf einem Allzeithoch (siehe Grafik unten). Mit der Hashrate geht aber auch der Strom-Verbrauch in die Höhe.

Hash Rate Bitcoin

Wie hoch ist der Strom-Verbrauch konkret?

Den gesamten Strom-Verbrauch des Bitcoin-Netzwerks zu berechnen, ist gar nicht so einfach – hängt er doch von vielen, sich teilweise ändernden, Faktoren ab.

Einige Forscher der Universität Cambridge errechnen auf Basis von Schätzungen einen Bitcoin-Stromverbrauchs-Index.

Dieser kommt derzeit auf die relativ hohe Zahl von über 130 Terrawattstunden (TWh) pro Jahr (siehe Grafik unten) – Anfang 2017 lag diese noch bei weniger als 7 TWh.

Eine Terrawattstunde entspricht 1 Milliarde Kilowattstunden. Dazu kommt, dass die Mining-Geräte ressourcenintensiv hergestellt werden müssen.

Bitcoin Stromverbrauch

Damit benötigt Bitcoin (BTC) laut den Schätzungen etwa 0,5% der weltweiten Stromproduktion.

Im Vergleich mit dem Strom-Verbrauch einzelner Länder hat Bitcoin zuletzt Norwegen, Argentinien und die Ukraine überholt und liegt nun theoretisch auf Platz 28 aller Länder.

Deutschland verbraucht den Schätzungen zufolge etwa das Vierfache an Strom, als Bitcoin derzeit benötigt.

Noch düsterer sieht es aus, wenn man den Strom-Verbrauch auf einzelne Bitcoin-Transaktionen herunterrechnet (allerdings kann eine Transaktion mehrere Zahlungen umfassen):

Das Portal Digiconomist weist für eine Transaktion einen Strom-Verbrauch aus, der einen durchschnittlichen US-Haushalt für mehr als 20 Tage versorgen würde.

Allerdings bringt es hier wenig, auf Transaktionen zu verzichten, da Strom-Verbrauch vor allem auf den Mining-Algorithmus und nicht auf die Verarbeitung der Transaktionen zurückzuführen ist.

Ist Bitcoin den Strom wert?

Manche Befürworter argumentieren:

Die Tatsache, dass Bitcoin (BTC) ein völlig neues Finanzsystem schafft, würde den Strom-Verbrauch rechtfertigen.

Immerhin sind mit der Infrastruktur des staatlichen Geldes auch erhebliche Kosten verbunden:

Etwa bei der digitalen Verwaltung, aber auch beim Drucken und Aufbewahren von Bargeld (Geldscheine, Münzen etc.). Auch der Betrieb aller weltweit im Einsatz befindlichen Geldautomaten (ATMs) soll bis zu 140 Terawattstunden pro Jahr verschlingen.

Auch ist der Abbau von Gold, dessen Vorbild der Bitcoin (BTC) mit seinem Schürf-Algorithmus folgt, sehr ressourcenintensiv.

Ein Argument geht sogar in die Richtung, dass Bitcoin die Welt insgesamt nachhaltiger machen wird.

Der wenig-inflationäre Ansatz der Krypto-Währung würde ein Paradigmen-Wechsel hin zu einer weniger „verschwenderischen“ Wirtschaft begünstigen. Trotzdem ist der immense Strom-Verbrauch wohl kaum damit zu rechtfertigen.

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Der Knackpunkt: Die Herkunft des Stroms

Daher drehen sich aktuelle Diskussionen vor allem darum, dass der Bitcoin-Energieverbrauch weniger problematisch ist, wenn der Strom aus nachhaltigen Quellen stammt – also wenig CO2-Emissionen verursacht.

Das wichtigste Bitcoin-Mining-Kriterium ist jedoch nach wie vor der Strom-Preis.

Der kann auch dort niedrig sein, wo viel Strom aus fossilen Ressourcen erzeugt, oder der Preis staatlich subventioniert wird.

Als positives Beispiel gelten etwa Mining-Farmen in einigen nordischen Ländern:

Sie sind tendenziell dafür bekannt, relativ nachhaltig zu arbeiten, da Kühlkosten wegfallen und vorwiegend Strom aus regenerativen Energie-Quellen verwendet wird. Wird „überschüssiger“ Strom eingesetzt, würde Bitcoin (BTC) auch die Energie-Nachfrage für andere Zwecke nicht verdrängen. Diese machen derzeit jedoch einen eher kleinen Anteil aus.

Die Universität Cambridge schätzt, dass aktuell 65% der Hashrate in China lokalisiert ist, es folgen die USA, Russland und Kasachstan (siehe Grafik unten) – wo mitunter der Anteil erneuerbarer Energien deutlich geringer ist.

Hashrate Bitcoin China

Das Unternehmen CoinShares schätzte in seinem Report Ende 2019, dass immerhin mehr als 70% des weltweiten Strom-Verbrauchs des Bitcoin-Netzwerks aus erneuerbaren Energien stammt – allerdings mit einem Fokus auf die, stark in Wasserkraft engagierte, chinesische Provinz Sichuan.

Andere Quellen gehen von einem deutlich geringeren Anteil aus.

Eine Umfrage der Universität Cambridge kam auf einen Anteil von knapp 40%. Das könnte sich mitunter durch saisonale Unterschiede, wie Regen- und Trockenzeit, erklären lassen.

Lösungs-Ansätze: Proof-of-Work ersetzen?

Warum also nicht einfach auf einen anderen Konsens-Algorithmus umsteigen?

Die Nr. 2 unter den Krypto-Währungen, Ethereum (ETH), will in den nächsten Jahren vollständig zu Proof-of-Stake wechseln, auch um nachhaltiger zu werden.

Eine solche Veränderung ist beim Bitcoin (BTC) aber in nächster Zeit nicht zu erwarten:

Die Krypto-Leitwährung ist nicht ganz so flexibel wie Ethereum, immerhin erfordert eine solche Umstellung große Änderungen im System.

Außerdem gilt PoW für Viele nach wie vor als das sicherste und am besten erprobte Konsensus-Verfahren.

Trotzdem ist es wahrscheinlich, dass es in dieser Hinsicht noch die ein oder andere technische Entwicklung geben wird, die heute noch nicht absehbar ist. Immerhin wird es noch ca. bis zum Jahr 2140 dauern, bis alle Bitcoins geschürft sind.

Weniger stromintensive Hardware wird es durch den technischen Fortschritt sicherlich geben.

Andere Vorschläge sind bisher eher theoretischer Natur:

Etwa Bitcoin-Mining mit „Kühleffekt“ unter Wasser zu betreiben oder die beim Mining erzeugte Wärme anderweitig zu nutzen. Außerdem gibt es Ideen, anstatt „sinnloser“ Rechenaufgaben nützliche Berechnungen anzustellen oder bestimmte Miner für Nachhaltigkeit zu belohnen.

Was kann man als Anleger tun?

Anleger müssen selbst entscheiden, ob sie den Strom-Verbrauch des Bitcoins (BTC) „mittragen“. Leider gibt es für Investoren wenig Möglichkeiten, die Umweltbilanz der Krypto-Währung zu beeinflussen, zumal hierzulande kaum Mining stattfindet.

Immerhin gewinnt das Thema mittlerweile mehr Aufmerksamkeit: So hat etwa der Zahlungsdienstleister Square – der auch in Bitcoin investiert ist – angekündigt, 10 Millionen US-Dollar für eine Initiative bereit zu stellen, die erneuerbare Energien in der Bitcoin-Gewinnung unterstützen soll.

Das Projekt „netpositive.money“ beschäftigt sich etwa damit, wie man Bitcoin (BTC) klimafreundlicher machen könnte.

Es stellt einige Informationen zu diesem Thema bereit: Darunter einen Rechner, mit dem Bitcoin-Hodler ihre „Emissionen“ ermitteln können. Interessierte können sich dieses Interview mit einem der Macher der Seite ansehen.

Bitcoin Chart

Unser Fazit:

Dass Bitcoin (BTC) ein Problem mit seinem Strom-Verbrauch hat, ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

Was das Bitcoin-Netz sonst so sicher macht, ist hier seine Schwäche – rein ökologisch betrachtet, ist der hohe Strom-Verbrauch zumindest diskussionswürdig.

Dass Bitcoin (BTC) seinem Konsens-Algorithmus ändert, ist aktuell nicht wahrscheinlich.

Die Zukunft des Minings wird daher vermutlich eher in einem stärkeren Bewusstsein für den Strom-Verbrauch liegen. 

Es gilt:

Weniger Strom – aus nachhaltigeren Quellen. Das Ziel ist es, den Bitcoin – ähnlich einem „finanziellen Pendant zu Elektro-Autos“ – umweltfreundlicher zu machen.

Charttechnisch sieht es derzeit so aus, als ob Bitcoin (BTC) seine Konsolidierung demnächst beenden könnte. Hierfür müsste der Trendfolge-Indikator MACD wieder drehen, die Unterstützungslinie in Form des einfachen 50-Tage-Durchschnitts (blaue) halten.

Ein schnelles Allzeithoch – wie bei der letzten Konsolidierung – ist aber noch nicht abzusehen. Ein klares Signal – wie es Teslas Einstieg in Bitcoin war – scheint derzeit noch zu fehlen, auch wenn Firmen wie Oracle, Twitter und neuerdings auch Netflix als weitere Einstiegs-Kandidaten beim Bitcoin (BTC) gehandelt werden.

Fabian Beining Investmentberatung

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